|
Reportage (Teil 2)
Die blauen Flecken von der ersten Trainingsstunde sind abgeklungen,
den angeknacksten Finger kann ich schon wieder recht gut bewegen. Zeit für Lektion
Nummer zwei also.
Die Unterarme werden stark beansprucht bei Nug Mui. Das habe ich bereits gespürt.
Bei Jörg Eckstein trainieren wir immer wieder die Abwehr von Schlägen.
Der Angreifer zieht dabei nicht den besseren Part - bei dieser Art der Selbstverteidigung geht es
ja darum, Angriffe effektiv abzuwehren. Der Trainer betont das immer wieder.
„Wir bereiten auf den Kampf auf der Straße vor. Diese Angreifer kennen keine Regeln.
Ziel unserer Verteidigung ist es, den Gegner angriffsunfähig zu machen“, erklärt Eckstein.
Vollkontakt - bei Nug Mui übt Kampfsport- trainer Jörg Eckstein (Mi.) mit seinen Schülern für den Ernstfall.
Dazu ist es nicht getan, den Angriffsschlag abzuwehren.
„Zur Seite wegdrehen, den Schlag des Gegners abwehren und mit eigenen Schlägen nachsetzen“,
erklärt Jörg Eckstein. Klingt einfach, ist es aber nicht. Mein Übungspartner bekennt:
„Den Schlagarm wegzuschlagen habe ich kein Problem. Aber dann mit eigenen gezielten Schlägen
nachzusetzen, da ist eine Hemmschwelle im Kopf.“
Doch nur so lässt sich ein Gegner von weiteren Angriffen abhalten.
Jörg Eckstein ist nicht nur Kampfsporttrainer. Studiert hat er u.a. Psychologie.
„Es ist ein instinktives Verhalten, unsere Aggressionen zu zügeln.
Auch Erziehung und Wertevermittlung spielen dabei eine Rolle.
Diese Hemmschwelle überschreiten wir oft erst, wenn es für uns vielleicht schon zu spät ist.“
Auch der Kopf muss eben noch lernen.
|